Auf der Skala von fad bis bäh [mit DIY-Anleitung fürs Gegenteil]

Aktualisiert: Mai 19

„Auf Grundlage seiner über zwanzig Jahren Erfahrung in der Beratung [Aufzählung von 12 Branchen] und neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, unterstützt XY Ihr Business Development mit einer Vielzahl von Leistungen wie [Aufzählung].“

Jackpot: fad und bäh. Mal abgesehen davon, dass man ewig braucht, bis man zum Kern der Sache kommt, bedeuten austauschbare Branchen-Phrasen immer auch wenig Persönliches. Chance vertan.


Da arbeitet man sich durch den langen Satz und tappt weiterhin im Dunkeln. Mit wem hat man es hier zu tun? Ich spreche nicht von Informationen, die man in einem CV findet oder aus Unternehmenszahlen herauslesen kann. Es geht darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der Mensch tickt, wie er oder sie mir begegnet, welche Atmosphäre mich im Büro erwartet.


Same same but different


Was, wenn es die eigenen Texte sind, die man ehrlicherweise irgendwo auf einer Skala von fad bis bäh einordnen müsste? Macht man sich selbst dran, läuft man Gefahr, wieder in derselben alten Phrasensuppe herumzuschwimmen: same, same but different. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. Es braucht nun einmal einen unvoreingenommenen Blick von außen, um das Innen benennen zu können: Die Wertewelt, den Markenkern, die Unternehmens- bzw. UnternehmerInnen-Persönlichkeit.


„Ich werfe zuerst immer einen Blick auf die Sprachlandkarte, so bin ich gleich im richtigen Mindset. Texte gehen mir dann leichter von der Hand und werden viel besser.“ C.A.

Die Magie der paradoxen Intervention


Dafür gibt Profis, solche wie mich, die wissen, wie man Selbstkritik und Eigenzensur umschiffen kann. Etwa mit allen möglichen Spielarten der paradoxen Intervention: Mit Metaphernreisen, über den Weg der Worst-Case-Hohlphrasen, durch Rollenwechsel, mit Freewritings …


Sprachlandkarte des Ich


Was dabei rauskommt? Rauchende Köpfe und viel Baumaterial, das von allen Seiten betrachtet und geformt, stimmig zusammengefügt und ausdiskutiert wird. Dazwischen liegen einige erleichterte Seuzfer in der Art von „Ja, genau das hat bisher gefehlt.“ Und am Ende des Prozesses hält man die von mir entwickelte „Sprachlandkarte des Ich“ in Händen.


Mit ihr fällt es einem wesentlich leichter, sich von Branchengeschwurbel und hohlen Phrasen zu befreien – und wirklich von innen heraus zu schreiben, persönlich und glaubwürdig.




DIY-Anleitung für die ganz persönliche

„Sprachlandkarte des Ich“ ... ohne fad und bäh


Runde 1: Material zusammentragen

  • Sammelt Worst-Case-Formulierungen zur Unternehmens-, Personen- und Leistungsbeschreibung (die Klassiker: innovativ, kreativ)

  • 12-minütige Freewritings mit Schreibimpulsen wie „Ich würde mit mir selbst gerne zusammenarbeiten, weil…“ oder „Durch meine Arbeit können/profitieren/erreichen/… meine Kund/innen “

  • Mindestens zwei Tag ruhen lassen

Runde 2: Material formen

  • Sucht Umkehrungen zu den Worst-Case-Formulierungen

  • Markiert, was euch in den Freewritings anspricht, relevant erscheint. Seid dabei großzügig.

  • Führt eure Ergebnisse zusammen, z. B. in Clustern

  • Mindestens zwei Tag ruhen lassen

Runde 3: Sprachlandkarte erstellen

  • Diskutiert eure Cluster, streicht, ergänzt – kommt zu einem Ergebnis 😊

  • Haltet euer Ergebnis so fest, dass ihr es an die Wand hängen könnt(et). Es muss keine künstlerische Hochleistung sein, aber auch keine PowerPoint-Charts.

  • Freuen und feiern

Runde 4: Sprachlandkarte verwenden

  • Hängt eure Sprachlandkarte auf oder habt sie in Sichtweite

  • Nutzt sie als Referenz und beobachtet, wie sich euer Schreiben und eure Texte zum Besseren ändern



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